Der Buß- und Bettag

  • Martin von Dobbeler

Am 22. November diesen Jahres begehen wir auch in Trini den Buß- und Bettag. Doch was genau ist dieser Tag, der mit seinem Namen kaum in unsere moderne Zeit zu passen scheint?

Es handelt sich um einen evangelischen Feiertag. Geschichtlich lassen sich hierbei zweierlei Buß- und Bettage unterscheiden: Von der Obrigkeit angeordnete Bußtage, so beispielsweise 1532 im Zuge des Osmanenkrieges auf kaiserlichen Befehl hin, und von kirchlicher Seite gesetzte Bußtage, sei es durch kirchliche Ordnung, wie bei den Quatembertagen, oder aus aktuellen Anlässen, wie es insbesondere zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges geschah. Die terminliche Vereinheitlichung erfuhr der Buß- und Bettag erst 1893 im Rahmen preußischer Gesetzgebung. 1934 wurde er gesetzlicher Feiertag in ganz Deutschland. 1995 verlor er, außer in Sachsen, diesen Status, um die Arbeitgeber, im Zuge der neu eingeführten Pflegeversicherung, durch einen weiteren Arbeitstag zu entlasten.

Nun könnte man ein ernüchterndes Resümee ziehen: Der Buß- und Bettag ist ein Feiertag, der seinen Status als gesetzlicher Feiertag verloren hat und der nicht selten von staatlicher Seite instrumentalisiert wurde. Und doch begehen ihn die evangelischen Gemeinden jedes Jahr.

Das liegt nicht zuletzt daran, dass auch dieser Tag lichte Momente hervorbringen kann. An diesem Tag werden wir alle noch einmal besonders ermutigt, Versagen, Schuld, Versäumnisse oder Fehlentscheidungen vor Gott zu bringen. Hier bitten wir um Vergebung und übernehmen Verantwortung. Zudem lädt uns dieser Tag dazu ein, auch über gesellschaftliche Missstände und Irrtümer nachzudenken. Biblisch lässt er sich zurückführen auf die Geschichte des Propheten Jona, der von Gott nach Ninive geschickt wird, um dieser Stadt ihren Untergang zu verkünden, worauf der König ein allgemeines Fasten ausrief und Gott die Stadt letztlich verschonte (Jona 3,4–10). Besinnung, kritische Lebensbilanz und damit zusammenhängend eine Neuorientierung stehen somit an diesem Tag im Vordergrund. Und dies, so wage ich zu behaupten, passt sehr wohl in unsere moderne Zeit.