50 Jahre Trini-Kita

50 Jahre Kindertagesstätte – ein Rückblick

Wenn ich das runde Jubiläum unserer Kita zum Anlass für einen Rückblick nehmen möchte, dann ist schnell klar, dass für eine erschöpfende Chronik hier nicht der Platz ist: Zu dynamisch die Entwicklung, zu viele Persönlichkeiten, deren Wirken zu würdigen, zu viele besondere Momente, an die zu erinnern wäre.

Also statt einer trockenen Aufzählung von Daten und Ereignissen ein Versuch, so etwas wie einen „Geist“ dieser Institution zu beschreiben? Was würde ich hervorheben, das mir in verschiedenen Rollen, in denen ich in die Arbeit der Kita involviert war, immer wieder begegnet ist?

Vor allem die Bereitschaft, zusätzliches Potential durch Mitbeteiligung zu erschließen. Dazu ein paar Stationen:

Elterliche Mitbestimmung wurde in den 70er Jahren groß, und so ist es nicht verwunderlich, dass auch unsere Kita schon früh einen Kita- bzw. Elternrat als Organ elterlicher Mitbestimmung erhielt. Die geringe Größe der Einrichtung, die kurzen Wege erleichtern, dass hier wichtige Entscheidungen auf der Grundlage gemeinsamer Beratung getroffen werden.

Bei der Aufnahme von Kindern – immer ein heikles Thema – wurden zwar evangelische vorrangig berücksichtigt, aber es gab auch immer Kinder anderer Konfession, was sicher dazu beiträgt, „interkulturelle Kompetenz“ zu vermitteln. Seit der Gründung des Fördervereins Trini-Kids & Co im Jahr 2000, auf elterliche Initiative, gelingt es bis heute, zusätzliche Maßnahmen zu fördern und das Engagement für die Kita über die aktive Zeit hinaus zu erhalten. Viele der baulichen Erweiterungen und größeren Anschaffungen in Gruppenräumen oder im Außengelände – Klettergerüst, Hochebenen, Lehmofen, Kinderküchen usw. – wurden so finanziell, aber auch in gemeinsamer Aktion zum Gemeinschaftswerk. Auch besondere Veranstaltungen wie Kunstprojekte oder das Konzert mit Mitgliedern des Beethoven-Orchesters sind Beispiele dafür, wie lohnend es ist, sich für Anregungen aus dem Umfeld zu öffnen. Das schafft Bindungen, die dauerhaft sind: Das heutige Presbyterium ist zur Hälfte mit Mitgliedern besetzt, deren gemeindliches Engagement in der Kita begann. Ein deutliches Beispiel dafür, dass die Kita als wichtiges Element des Gemeindeaufbaus unverzichtbar ist. So positiv also auch die Bündelung der Kräfte evangelischer Kitas Im Zusammenschluss der Interessengemeinschaft Kitas auf Kirchenkreis-Ebene ist, so wichtig bleibt ihre Verwurzelung.

Wolfgang Platen

 

Kita im Wandel

In den letzten 50 Jahren hat sich unser Kita-Alltag erheblich verändert. Hieß es früher noch Kindergarten, heißt es heute Kindertagesstätte (Kita). Die Kinder sind von morgens früh bis teilweise zum späteren Nachmittag im Haus, also ist die Kita fast den ganzen Tag ihr zweites Zuhause; da spielt der Wohlfühlfaktor eine wichtige Rolle. Sie können sich frei im Haus bewegen, und Motivation ist der wichtigste Indikator zum Miteinander.

Hierbei ist es natürlich wichtig, mitzuentscheiden und selbst zu entscheiden, im Rahmen der eigenen Fähigkeiten. Während früher Kinder oft in starren Strukturen erzogen wurden, in denen sie wenig Mitspracherecht hatten, legt man heute viel Wert auf Partizipation der Kinder.

Partizipation bedeutet, dass Kinder in Entscheidungen einbezogen werden und aktiv mitgestalten dürfen. Das fördert ihre Selbstständigkeit und stärkt ihr Selbstbewusstsein.

Wir Mitarbeiter*innen versuchen möglichst viele Bereiche transparent und verständlich zu gestalten, damit die Kinder ihre eigenen Interessen und Ideen einbringen können. Zum Beispiel können sie die Inhalte und den Fortlauf von Projekten selbst initiieren und mit anderen Kindern und Erzieher*innen umsetzen. Hier ist es wichtig, die Umgebung so vorzubereiten, dass die Kinder vielfältige Möglichkeiten und Anregungen haben.

Das heißt aber nicht, dass es keine Regeln und Strukturen im heutigen Kita- Alltag gibt. Je mehr Individualität gegeben ist, umso mehr Regeln benötigen wir im sozialen Miteinander. Ich kann meine Wünsche und Bedürfnisse nur leben, solange ich andere nicht einschränke bzw. störe. Dieses soziale Lernen ist eine wichtige Basis für die weitere Entwicklung unserer Kinder.

Elke Kirschner

 

Vom Ehrenamt zur Herzensfamilie

Drei Kinder, drei Enkel und drei „Leihenkel“ sind Inge Cremer-Brunners größter Schatz. Zwei ihrer Kinder, Philipp und Carolin, haben von 1989 bis 1995 den Trinitatis-Kindergarten besucht. Das war für die neu nach Endenich gezogene katholische Familie damals gar nicht so naheliegend, aber eine sehr gute Entscheidung. „Die warme familiäre Atmosphäre unter der Leitung von Frau von Padberg und Pfarrer Müller und das pädagogische Konzept haben mich überzeugt“, erzählt Inge Cremer-Brunner. Noch heute empfindet sie das Kennenlernen der evangelischen Riten als Bereicherung. Und setzt diesen Weg seit Jahren weiter fort und engagiert sich für die Ökumenische Hospizinitiative unter dem Kreuzberg.

Noch heute berichtet die Dreifach-Oma begeistert vom damaligen Kita-Leben: „Besonders toll fand ich, dass die Trini-Kinder einmal in der Woche nachmittags schwimmen gelernt haben.

Und das, obwohl die Betreuung ja schon um 12:15 Uhr endete.“ Die Uhrzeit erforderte ein pünktliches frühes Dienstende im Bürgeramt Bonn und ein zügiges in die Pedale Treten auf dem Dienstrad. Jahrzehnte später holte sie dann wieder regelmäßig Kinder bei Trini ab – obwohl ihre eigenen Enkelkinder da noch gar nicht geboren waren. Denn 2014, als der Ruhestand in greifbare Nähe rückte, entschloss Inge Cremer-Brunner sich für das gerade neu ins Leben gerufene Projekt „Großeltern auf Zeit“ des Familienkreises Bonn. Drei Wochenendseminare und ein Kennenlernen der mit ihrem dritten Kind schwangeren Dorthe Stutzmann später – und das perfekte Familien-Oma-Match war gefunden. „Zu Anfang haben wir uns erstmal nur beschnuppert, bald auch regelmäßig getroffen. Als ich den zweijährigen Julian dann zum ersten Mal von der Kita abgeholt habe, war ich richtig aufgeregt! Als Juli mir mit Volldampf in die Arme gelaufen kam, ist mir das Herz aufgegangen, ein unvergesslicher Moment!“ Erlebnisse wie dieses machten das Ehrenamt schnell zur Herzensangelegenheit.

Und obwohl die Kita-Zeit bei Trinitatis auch mit den Stutzmann-Kindern vor einigen Jahren zu Ende war, nehmen die Parallelen zum eigenen Nachwuchs nicht ab: Genau wie Inges Kinder besuchen Lilli, Malte und Julian Stutzmann bald  alle das Helmholtz-Gymnasium in Duisdorf. Manchmal sind aller guten Dinge eben zweimal Drei.

Kirsten Paul-Hilgers

 

Wohnst du im Leseland?

Fünf Kinder machen es sich auf dem Sofa in der Bücherstube bequem, während die Lesepatin Bücher auspackt. „Ich will neben dir sitzen“, sagt ein Mädchen, das regelmäßig dabei ist. „Zeigst du die Bilder?“, fragt ein Junge. Alle lauschen beim Vorlesen gespannt, selbst die Kinder, die nach kurzer Zeit nicht mehr nur stillsitzen. Dann fragt ein Kind: „Was ist ‚dösen‘?“ Manchmal erklärt ein anderes Kind die Bedeutung eines unbekannten Wortes, manchmal die Lesepatin. Am Ende der Vorlesezeit steht oft die Bitte: „Noch eine Geschichte!“

Seit 2012 kommen ehrenamtliche Lesepaten in die Trini-Kita. Ein Angebot, dem die Kinder nach eigenem Interesse folgen können. Sie tun es mit Begeisterung. Mittlerweile geben vier Lesepaten ihre Lesefreude weiter. Marianne Walter war 2012 die erste. Sie ist noch heute der Kita verbunden, auch wenn sie nicht mehr vorliest. „Als Erwachsene stundenweise wieder Kind sein, das war das Vorlesen für mich“, sagt sie. „Ich habe mich immer darauf gefreut, mich hat die Kreativität der Kleinen begeistert.“

Manche Kommentare der Kinder lassen schmunzeln. Wenn eine Lesepatin jede Woche mit einem Rucksack voller Bücher kommt und mit ihnen ins Leseland eintaucht, kommt schon mal die Frage: „Wohnst du im Leseland?“ Oft führen die Geschichten die Kinder auch ins Erzählen. „Ich war im Urlaub auch am Meer“, berichten sie, als eine Geschichte von dem Mädchen auf der Insel handelt.

Für Elke Kirschner, Leiterin der Kita, ist die Vorlesesituation in der Kleingruppe eine Bereicherung für die Kinder, eine andere Erfahrung als der gewohnte Kita-Alltag. Für die Lesepaten ist jede Vorlesestunde ein Geschenk.

Beate Raabe

 

Konzepte gegen Fachkräftemangel gefragt

Die Älteren unter uns erinnern sich sicherlich noch an die Zeiten, als unsere Kinder in die Kita gingen und die Betreuung gerade mal von 8 bis 12 Uhr dauerte. Nachmittags konnte man seinen Nachwuchs zum Spielen von 14 bis 16 Uhr vorbeibringen.

Unvorstellbar für die meisten Eltern von heute, von denen in der Regel beide Teile berufstätig sind und ganztägige Betreuungsangebote benötigen, um Familie und Beruf unter einen Hut bringen zu können. Das gelingt aktuell in vielen Kitas leider immer schlechter. Stichwort Fachkräftemangel. Landauf, landab herrscht in den Einrichtungen eklatanter Personalmangel, der insbesondere in der kälteren Jahreszeit durch hohe Krankenstände nochmals verschärft wird. Die Folge: Viele Einrichtungen müssen die Betreuungszeiten kürzen oder auf Notbetrieb umschalten. Die Stadt Bonn hat angekündigt, ab dem neuen Kindergartenjahr in 25 Einrichtungen nur noch eine 35-Stunden-Betreuung anbieten zu können, weil die Zahl der Fachkräfte nicht ausreicht. Eine städtische Kita musste sogar ganz geschlossen werden. In unserer Trini-Kita haben wir Glück: Alle Stellen sind besetzt, bisher konnten vakante Stellen auch stets schnell wiederbesetzt werden.

Zwar haben das Land NRW, die Stadt Bonn und die Kita-Träger verschiedene Offensiven zur Personalgewinnung gestartet, aber auf die Schnelle lässt sich das Problem nicht lösen. Der Städtetag NRW hat das Land deshalb aufgefordert, vor diesem Hintergrund den Einsatz von geeigneten, beruflich nicht vorqualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch ohne Fachausbildung zur Unterstützung in den Kitas zu ermöglichen. Auch müssen deutlich mehr Ausbildungskapazitäten für Erzieherinnen und Erzieher geschaffen werden, möglichst als duale Ausbildung nach dem Vorbild der sogenannten PIA-Kräfte. Das sind Berufsquereinsteiger, die während der Ausbildung zur Kita-Fachkraft vom ersten Jahr an entlohnt werden. Die klassische schulische Ausbildung sieht das für die ersten Ausbildungsjahre nicht vor.

Experten vermuten, dass das mit ein Grund ist, der viele junge Menschen abhält, eine Ausbildung zur Erzieherin oder zum Erzieher zu beginnen.

Lisa Inhoffen