Ausstellungsarchiv 2021 – 2022

Martin Rothweiler | Plastische Arbeiten | Von dort sieht der Betrachter Spuren tanzender Pflanzen | Juni – Juli 2022

Als Bildhauer, Maler, Zeichner und Fotograf arbeitet Martin Rothweiler in Serien. In ihnen bezieht er sich auf seine unmittelbare Umgebung – Atelier, menschliche Figur, Bildnis, Landschaft -, klassische Themen also. Dabei geht es ihm nicht um ein Portraitieren, vielmehr darum, die Bedingungen der individuellen Wahrnehmung und ihrer Veränderung in Zeit und Raum gleichermaßen zu erwandern. In diesem Sinne sind nicht nur der poetische Ausstellungstitel und das Bild zu verstehen, sondern auch das graphische Motiv eines Wanderers in der Spiralgalaxie, mit dem der Künstler gleich einer Signatur seine gezeichneten und gedruckten Papierarbeiten versieht.

 

Rita Kämmerer | GeSchichte – Collagen und Assemblagen „Es muss mir etwas auffallen, bevor mir etwas einfällt.“ | August 2022

Der Titel verweist zum einen auf „Geschichte“ im Sinne von Historie und Erzählung. Zum anderen, wird das Wort „Schicht“ betont. Es zielt auf historische und gesellschaftliche Ablagerungen und Ebenen.

Die Arbeiten der Künstlerin sind zumeist zweidimensionale Collagen oder dreidimensionale Assemblagen. Ihr Schaffensprozess beginnt mit dem Sammeln von Gegenständen, Materialien, Eindrücken, Fotos und Texten. Kämmerer sammelt alles, was ihr auffällt, woran ihre persönliche Geschichte anknüpft, was sie inspiriert, worüber sie manchmal im wahrsten Sinne des Wortes stolpert. Das können alte Stadtpläne sein, Wandermarkierungen, eine Schmetterlingssammlung, Bildstöcke an griechischen Straßen oder die deutsche Kolonialgeschichte und Gesteinsreste auf einer Tansaniareise. Die Ideen entstehen im offenen Hinschauen und im Verknüpfen mit eigenen Erinnerungen und Recherchen zum Gefundenen. Das Verarbeiten dieser Eindrücke und Funde findet oft in Schichtungen und daher meist mittels Collage oder Assemblage statt. Das Gesammelte wird weiterverarbeitet, verfremdet in neue Zusammenhänge gestellt und kommentiert. So schafft Rita Kämmerer vielschichtige Objekte, die den Betrachter*innen Geschichten erzählen.
Zur Eröffung spricht Stefan Philipps.

 

Schüler:innen des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums Bonn | Auf der Suche… | Februar – April 2022

Der Mensch war, ist und wird immer auf der Suche sein…nach sich selbst, nach dem Gegenüber, nach Sinn und Erkenntnis, nach Verlorenem und Erträumtem.
Der Aufgabe einer Verbildlichung solchen Suchens stellten sich die Schülerinnen und Schüler der Qualifikationsphase des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums in diesem Schuljahr.
Vom Nachspüren nach dem verlorenen Paradies in großformatigen Tuschezeichnungen, über das Ertasten von Charaktereigenschaften in gemalten Porträts und das Erforschen der Ambivalenzen des menschlichen Lebens mit Hilfe von Zufallsverfahren bis hin zu Zukunftsvisio- nen des Menschen in großformatigen Collagen werden verschiedene Facetten des menschli- chen Suchens umkreist. Auch ein künstlerischer Schaffensprozess ist ein Suchen. So wird in der Zusammenstellung der Ausstellung das Suchen selbst zum Thema.
Künstler*Innen der Bilder von links nach rechts: Paula Steg, Lioba Klein-Hitpass, Emma Schmauke, Lilian Richards, Amelie Schneehagen.

 

 

Iris Hoppe | Sense of Balance – Eine interaktive Klangskulptur | August 2021

Ein acht Meter langer, golden lasierter und mit Hasenfellen belegter Holzbalken, der auf einem silbern gestrichenen Untergestell beweglich montiert ist, ergibt eine Wippe, die zum Dialog einlädt. Im Auf- und Abwippen erklingt der Kanon „Das Reden“ von Ludwig van Beethoven. Wird ein Gleichgewicht hergestellt, erklingt sein Kanon „Das Schweigen“.
Die akustische wie optische Bezugnahme auf die Redewendung „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“, die Johann Gottfried Herder 1792 in die deutsche Sprache einführte, ist in Verbindung mit der Wippe auch zu verstehen als „eine Form von Sensibilisierung, und dass man sich darauf einlässt, auf seine Gegenüber.“ (Iris Hoppe)

 

Claudia Larissa Artz | Umkehrpunkt der Bewegung | Juni – Juli 2021

Die Bilder dieser Ausstellung sind ein Zusammenspiel von mehreren Serien von großen und kleinen Formaten. Im Kirchenraum säumen, ähnlich wie bei einem Fries, große Formate die Wände. Der Kirchenraum ist mit einbezogen in seiner Dimension. Die Malerei ist durch offene Leinwandstruktur und rhythmischen Strichen oder Formen geprägt. Anders als die kleinen Tafelmalereien, die im intimeren Bereich, dort wo das Taufbecken seinen Platz hat, im Seitenlicht in einer Reihung hängen. Die Malerei ist durch ihre nuancierten konzentrierten Flächen geprägt. Gegenüber im Gemeindehaus sind drei Bilder mit scheinbar einfacher Formsprache zentral, jeweils an einer Wand, positioniert. Es entsteht eine Spannung zwischen Groß und Klein, zwischen Intimität und Weite. Den Titel verstehe ich als eine Metapher für den Weg des Lebens mit all den Widersprüchen und der Flüchtigkeit des Seins. Und er besteht nicht nur aus einem Vorwärtsgehen, es gibt immer auch ein Rückwärtsgehen und einem Moment der Ruhe, dem Umkehrpunkt.
Es ist wie ein nach Außen und Innengehen. Das Eine kann nicht ohne das Andere und durch diese gegensätzliche Bewegung entsteht eine Dynamik. Es ist wie ein Pendel in Schwingung.

Claudia Larissa Artz, geboren in Bad Nauheim (1969), Studium der freien Malerei, Düsseldorfer Kunstakademie, und Innenarchitektur, mehrere Auslandsaufenthalte in Paris (Cité), Kansas (State University), Oslo (National College of Art & Design), 6 Jahre Lehrtätigkeit in Farb- Kompositionslehre und Zeichnen (Akademie für Kommunikationsdesign), freie Mitarbeit in Architekturbüros, lebt und arbeitet in Köln seit 1997.

 

Sigmar Stehle | Sternenstaub | Januar – März 2021