50 Jahre JAP

Wenn im August das Ev. Kinder-und Jugendzentrum der Trinitatiskirche Bonn sein 50jähriges Bestehen feiert, rückt eine Institution in den Blick, die in der kirchlichen Landschaft Bonns eine herausgehobene Stellung hat.

  • Wolfgang Platen

Die Vor-Geschichte des JAP begann schon im Mai 1968, in einer Zeit, die für Unruhe und harte Auseinandersetzungen sprichwörtlich geworden ist. Diese Anfänge sind vor allem durch den 1968 neu nach Trinitatis gekommenen Pfarrer Klaus Kohl geprägt, der sich, unterstützt durch den Sozialpädagogen Gerd Seidel, das wohl schwierigste Klientel für evangelische Gemeindearbeit zur Zielgruppe nahm: Kinder und Jugendliche aus prekären Verhältnissen, die Erfahrungen von Gewalt und Delinquenz mitbrachten, deren Vertrauen nur schwer zu gewinnen und die mit herkömmlicher Pädagogik oder gar klassischem Religionsunterricht kaum zu erreichen waren. Den ersten Jahren der Orientierung folgte 1973 die offizielle Gründung des JAP als „Offener Tür“. Von da entwickelte es sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem stabilen Pol offener Jugendarbeit in Endenich.

Diese zu betreiben, stellt vor die Herausforderung, sich nach außen zu öffnen, ohne nach innen an Attraktivität zu verlieren. Die Antwort des JAP darauf war, so erscheint es mir im Rückblick, mit Kontinuität und Beharrlichkeit das Ziel zu verfolgen, und auf Rückschläge, von denen es nicht wenige gab, nicht mit Rückzug oder gar Aufgabe, sondern mit erhöhter Anstrengung zu reagieren.

Kontinuität zeigt sich schon im Personal-Tableau: Roswitha Kellner leitete die Einrichtung von 1973-1977. Ihr folgte bis 1994 Axel Hartmann, und schließlich Petra Lücking-Cickovic, die seit 1988 im JAP arbeitet, seit 1994 als Leiterin. Das sind gerade einmal drei verschiedene „Cheftrainer“, die dem großen Team von Ehrenamtlern und Teamern vorstehen.

Und Rainer Berghausen, der ab September die Einrichtung führen wird, ist auch schon seit 1994 dabei!

Baulich ist diese Zeit geprägt durch die Entwicklung des schlichten Bungalows neben dem (2001 abgerissenen) alten Gemeindehaus, der eher einem Spielhaus glich, zum mehrfach modernisierten zweigeschossigen Jugendzentrum mit verschiedenen Funktionsräumen, die auch anderen Gruppen vom Vorkindergarten bis zum Nachbarschaftschor eine Heimstätte bieten.

Gewachsen ist auch das Angebot, mit dem die Kinder und Jugendlichen zu sinnvoller Freizeitgestaltung motiviert werden sollen. Spiele und sportliche Bewegungsangebote gehören ebenso dazu wie die Organisation von Reise-Freizeiten und Ausflügen, aber auch praktische Lebenshilfen durch Hausaufgabenhilfe, Kursangebote und in der jüngeren Vergangenheit auch zunehmend durch Angebote im Bereich digitaler Medien.

Immer wieder Thema ist die Ausweitung der Zielgruppe:

Längst ist das JAP vom Jugend- zum Kinder-und Jugend-Zentrum geworden. Das steht sinnbildlich für die immerwährende Aufgabe, für eine Vielfalt an Zielgruppen attraktiv zu bleiben. Auch wenn verschiedenste Partner Ansprüche an die Arbeit anmelden, seien das die Vorstellungen der Stadt Bonn, der Kirchengemeinde, vertreten durch das Presbyterium, oder auch die Eltern, die dem JAP ihre Kinder anvertrauen: „Wir setzen vor allem an den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen an“, schreibt Petra Lücking, denn ein von Freiwilligkeit geprägtes Angebot ist nur dann erfolgreich, wenn es den Bedürfnissen der Zielgruppe entspricht. Das erfordert von den Hauptamtlichen Flexibilität und einen guten Draht zu den „Klienten“.

Aber es macht die Arbeit auch attraktiv, und so ist eine Institution wie das JAP auch immer wieder Ausgangspunkt für Karrieren junger Erwachsener, die Ehrenamtler, FSJler, Teamer oder auch als angehende Sozialpädagog*innen hier ihre ersten Schritte in ein herausforderndes, mitunter belastendes, aber auch erfüllendes Berufsfeld machen.

Wir gratulieren dem JAP zum 50. Geburtstag und wünschen viel Erfolg für die nächsten Jahrzehnte!