Liebe Leserin, lieber Leser,
sicher kennen Sie noch den Begriff „Gretchenfrage.“
Zurück geht er auf Goethes Drama „Faust“, in dem Margarete den um sie werbenden Faust die für sie wichtigste Frage stellt: „Nun sag‘, wie hast du’s mit der Religion?“ Heute, und gerade in der beginnenden Urlaubszeit, ist die Gretchenfrage eher: Fahren wir in die Berge oder ans Meer? Und so fragen auch wir – als an den großen Fragen unserer Zeit interessierte Redaktion:
Wie hast Du’s mit dem Urlaub?
Goethe, an den in diesen Tagen zu erinnern nur recht und billig ist, jährt sich doch heuer sein Geburtstag am 28.8. zum 275. Mal, lässt seinen Mephisto zwar sagen: „Das freie Meer befreit den Geist“, doch seine Urlaube verbrachte er bekanntlich lieber in Heilbädern wie Marienbad oder auf Städtereisen in Italien. Liest man aber in der „Italienischen Reise“ über seine Besteigung des Vesuv im Jahre 1787, so sieht man ihn, den unerschrockenen
Naturforscher, doch eher im „Team Berge“, deren Nebeneinander von Schönheit und Schrecken ihn faszinierte: „Das Schreckliche zum Schönen, das Schöne zum Schrecklichen, beides hebt einander auf und bringt eine gleichgültige Empfindung hervor. Gewiß wäre der Neapolitaner ein anderer Mensch, wenn er sich nicht zwischen Gott und Satan eingeklemmt fühlte.“ Neapel liegt ja bekanntlich am Meer und am Berg!
Ähnlich philosophisch überhöht wird die nur scheinbar simple Wahl des Urlaubsziels Berge oder Meer in einer gleichnamigen Unterrichtseinheit des Auer Verlags für den Ethik-Unterricht, als ganz nah an der Lebenswirklichkeit der Kinder ansetzender „Beitrag zu komplizierten Konfliktlösungen!“
Als einen solchen Beitrag verstehen wir auch diese Ausgabe, in der sich einiges zum klassischen Dilemma findet, zu besonderen Sehnsuchtsorten, biblischen Betrachtungen und kulturellen Hintergründen.
Eine reiselustweckende Lektüre wünscht Ihre Gemeindebrief-Redaktion.
