Ordinationsjubiläum Anja Daub

  • Anja Daub

Herzlichen Glückwunsch zum 25jährigen Ordinationsjubiläum!

Etwa 650 ehrenamtliche Prädikantinnen und Prädikanten gibt es derzeit in der Rheinischen Kirche. Sie wurden in einer Zurüstzeit auf ihren Dienst vorbereitet und anschließend ordiniert. Damit können sie in Gottesdiensten predigen, taufen, Ehen schließen, das Abendmahl feiern und beerdigen. Sie sind hauptamtlichen Pfarrpersonen in ihrer liturgischen Funktion gleichgestellt. Prädikanten bringen dabei ihre vielfältigen Alltags-, Lebens- und
Berufserfahrungen in die Bibelauslegung ein. Anja Daub, Prädikantin in Trinitatis, feiert jetzt ihr 25jähriges Dienstjubiläum. Sie berichtet über diese Zeit:

„Ausgangspunkt war damals der Bibelgesprächskreis am Propsthof. Weil ich mich an den Diskussionen rege beteiligte, bin ich angesprochen worden, ob ich mir nicht vorstellen könne, Prädikantin zu werden. Wobei es damals noch „Predigthelfer“ hieß. Da es eine Wartezeit für die dreijährige Prädikantenausbildung gab, habe ich mich auch eingeschrieben in die Laien-Uni Theologie. (Die Laien-Uni Theologie ist ein bis heute bestehendes, dreijähriges Angebot der Evangelischen Erwachsenenbildung Nordrhein, das wissenschaftliche Theologie verständlich und fundiert vermittelt.)

Es war eine intensive Zeit, diese beiden Fortbildungen neben meiner Berufstätigkeit zu absolvieren. Doch gerade in der Laien-Uni habe ich ein gutes Fundament gewonnen, das mir bei der Predigtvorbereitung geholfen hat.

Predigtvorbereitungen

Die inhaltliche Auseinandersetzung mit den Bibeltexten erlebe ich als Gegenpol zu meiner beruflichen Tätigkeit als Industriekauffrau, wo ich mich eher in einer Welt der Zahlen und der Organisation bewege. Ich möchte die Texte, über die ich predige, verstehen und sie ins Leben übertragen. Was steht da geschrieben?

Was hat das mit meinem Leben zu tun? Was trägt mich in dem, was in der Bibel steht? Mich reizen besonders Texte, die schwer zugänglich sind. Ich möchte sie durchdringen und zum Leuchten bringen. Nicht selten sind vermeintlich zugängliche Texte, die jeder kennt, die schwierigsten. Was lässt sich zu einem bekannten Text noch Neues und Spannendes sagen? Oft ringe ich mit dem Text, bevor eine gute Predigt entstanden ist.

Besondere Momente

Es gab schwierige und berührende Momente in den 25 Jahren. Als in einem Abendgottesdienst plötzlich zwei verwirrte und wohl auch alkoholisierte Personen auftauchten und begannen mitzureden, brauchte es höchste Konzentration, die Situation einzufangen. Oder wenn ein externer Chorleiter plötzlich den normalen Sonntagsgottesdienst zu einem Konzert ausbauen möchte, sind als Leitung Spontaneität und Konsequenz gleichermaßen gefordert.

Gern denke ich zurück an den Taufgottesdienst meines dreijährigen Neffen, der an einem Karnevalssonntag im Clownskostüm getauft wurde und der beinahe nicht Ja sagte zur Taufe. Auch rührt mich die leicht verwirrte Dame im Altenheim noch an, die abwesend in der Andacht saß, mir dann aber beim Ausgangssegen freudig zuwinkte. Und mich freuen hilfreiche Gesten, wenn es gilt, aufgrund meiner Spastik architektonische Hindernisse wie eine Treppe zu überwinden. Das habe ich in Trinitatis erlebt oder an den Orten, an denen ich zuweilen predige.

Ausblick 

Mir bedeutet das Jubiläum viel. Ich möchte erneut gesegnet sein für den Dienst, das Wort Gottes zu verkündigen. Es geht dabei nicht um mich als Person. Der Segen ist mir wichtig. Er ist eine Bestärkung für die Aufgabe, die ich gern weiter ausübe. In diesem Sinne freue mich auf die Zusammenarbeit im Kooperationsraum und auf die Gelegenheit, in weiteren Kirchen Gottesdienste zu feiern.“

(aufgezeichnet von Dr. Beate Raabe)