Gegen den Augenschein: Osternacht am Samstag, den 04.04. um 21.00 Uhr

Mehr als ein schöner Brauch

Es beginnt im Innenhof an der Trinitatiskirche. Still ist es zu Beginn des Osternacht-Gottesdienstes. Keine Glocken läuten, die Karwoche klingt aus.
Eine durchaus beachtliche Gemeinde von mehr als 120 Menschen macht sich auf den Weg, geführt von der alten Osterkerze. Der Weg ist nur spärlich
mit Teelichtern ausgeleuchtet. Doch man hilft sich, singt leise miteinander wie in Taizé über das Dunkel der Nacht und wartet gespannt auf das, was
auf dem Weg durch das Gemeindezentrum wohl passiert. Meist werden vier Stationen besucht.

Es ist wie ein kleiner Kreuzweg, manche denken bestimmt auch an die österlichen Gebräuche in Jerusalem. Jeweils wird ein Bibeltext gelesen, gefolgt von Gedanken und einem Gebet. Häufig gibt es noch eine zeichenhafte Handlung: Man schreibt sich etwas auf, fühlt wohliges Öl auf der Haut, spricht kurz mit seinem Nachbarn oder holt mal tief Luft.

Einfache zeichenhafte Handlungen. Es ist zum Greifen nah, wie viel Gedankenpower, intensive Gespräche, Herzblut und Glaubensmut im Vorbereitungsteam gewirkt haben. Wenn die Gruppe wieder in die Kirche kommt, wird es ganz anders. Die alte Osterkerze ist erloschen, aber begleitet von Chorgesang wird eine neue brennend in die Kirche getragen. Sie ist ein Geschenk der Nachbargemeinde Maria-Magdalena, und von
ihr aus geht das Licht zu allen Gottesdienstbesucher:innen.

Mittlerweile halten alle eine kleine Kerze in der Hand, oft aus Bienenwachs von einer Imkerei am Messdorfer Feld gezogen. Nun wird gesungen, gebetet, die Predigt gehört. Alle Stationen werden nochmal in Erinnerung gerufen, und die Worte münden im vielfachen hellen Kerzenschein in eine österliche Freude, die man gemeinsam bei Brot und Wein auch schmecken kann. Beherzt und ermutigt und beseelt steht man auf, grüßt sich mit der Zusicherung, dass Auferstehung eine große Bedeutung entfalten kann und versammelt sich beim Osterfeuer zum Abschlusssegen. So endet es, wie es begonnen hat, nur angereichert mit Fragmenten einer österlichen Erfahrung, im Innenhof. Ein recht stattliches Feuer taucht die österliche Gemeinde in ein funkelndes Flammenlicht.

Klaus Lehmann

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