Liederfrühling Reformation

  • Uwe Grieser (Pfarrer)

Das Jahr 1524 gilt als die Geburtsstunde des evangelischen Gesangbuchs. In den Jahren zuvor kamen auf Flugblättern schon viele reformatorische Texte und Holzschnitte an die breite Öffentlichkeit. Dazu gehörte auch ein Lied, das Martin Luther 1523 gedichtet hatte. Es war nicht für den Gemeindegesang bestimmt, sondern nahm in Form einer Ballade Bezug auf das Martyrium von zwei Augustinermönchen in Brüssel, die sich der Reformation angeschlossen hatten und auf dem Scheiterhaufen hingerichtet worden waren. Luther setzte ihnen mit einem Bänkelgesang ein geistliches Denkmal.

Zum Jahreswechsel 1523/24 schrieb er einen Brief an Georg Spalatin, Sekretär des Kurfürsten Friedrich III.:

„Ich habe den Plan, nach dem Beispiel der Propheten und Väter der alten Kirche deutsche Psalmen für das Volk zu schaffen, das heißt, geistliche Lieder, damit das Wort Gottes auch durch den Gesang unter den Leuten bleibt. Wir suchen daher überall nach Dichtern… „

Dieser Aufforderung folgte auch Elisabeth von Meseritz aus Pommern. Ihr Lied „Herr Christ, der einig Gotts Sohn“ steht im Evangelischen Gesangbuch (EG) unter der Nr. 67. Von Meseritz heiratete im gleichen Jahr 1524 Caspar Cruziger und zählt zu den ersten Liederdichterinnen der Reformation.

Luther selber wurde auch produktiv. Er dichtete auf Psalm 130 das Lied „Aus tiefer Not schrei ich zu dir“ (EG 299). Dieses Lied und weitere Texte von ihm, die wir bis heute singen, wurden 1524 erstmals in einem gedruckten Heft veröffentlicht. Es enthält außerdem das Lied „Nun freut euch liebe Christen g’mein“ (EG 341) und das Weihnachtslied „Gelobet seist du, Jesus Christ“ (EG23).

Noch im selben Jahr erschien ein weiteres Heft, der sogenannte „Achtliederdruck“, der die Zahl der Lieder im Titel führt. Und wenig später konnte man in Erfurt das „Handbüchlein geistlicher Gesänge“ erwerben und in Wittenberg das „Geystliche Gesangk Büchleyn“ mit 32 Liedern (24 von Luther).

Der Liederfrühling der Reformation war angebrochen. Bis heute wärmt er viele Herzen und trägt dazu bei, dem Glauben Gestalt zu verleihen.