Mein Reli war toll!

Als Erwachsene schauen wir manchmal auf die Zeit in der Schule zurück. Wie war das damals im Religionsunterr icht?

Ein Gespräch zwischen Beate Raabe (63) und Niels Wey (30).

Niels Wey: Liebe Beate, wir kommen ja aus unterschielichen Generationen und auch die Schulsysteme unserer Kindheit wa ren nicht dieselben. Ich frage mich heute manchmal, was eigentlich noch vom Reli-Unterricht übrig geblieben ist. Wie schaust du auf deinen Reli-Unterricht in der Schulzeit zurück?

Beate Raabe: Ziemlich genau habe ich die Abiprüfung in Religion vor Augen. In den vier Religionskursen davor hatten wir Kirchengeschichte vom Altertum bis zur Reformation durchdekliniert und die Entstehung von AT und NT und die Voraussetzungen unterschiedlichen biblisches Schriftverständnisses beleuchtet. In der mündlichen Prüfung sollte ich dann anhand eines NT-Textes den Einfluss der griechischen Philosophie auf das christl iche De nken herausarbeiten.

Niels Wey: Spannend! Ich erinnere mich auch noch sehr genau an Reli in meiner Schule. Der Unterricht war leider immer ziemlich schlecht. Gar nicht so inhaltsvoll wie bei dir. Vielleicht hätte es mir dann mehr Spaß gemacht. Meine Reli-Lehrer wollten vor allem die Perspektive der Religionskritik stark machen. Ich habe viel von Nietzsche gelesen. Stichwort: Gott ist tot. Das ist natürlich ein spannendes und wichtiges Feld. Nur leider recht trocken. Fasziniert hat mich das wenig – das hat sich erst im Studium geändert.

Beate Raabe: Ich fand den Reli-Unterricht toll. Damals hat mich zum ersten Mal fasziniert, wie Glaubens- und Denkschulen sich durchdringen und beeinflussen, wie Neues nicht ohne das Alte zu verstehen ist, in der Religionsgeschichte genauso wie in anderen kulturell-gesellschaftlichen Bereichen. Der Reli-Unterricht hat mein Interesse an mentalitätsgeschichtlichen und religiösen Themen geweckt – ein Einfluss, der bis heute anhält. Kann sich ein anderes Schulfach solch lang anhaltender Wirkung erfreuen?

Beate Raabe und Niels Wey