Diese Frage aus dem Buch Hiob (Kapitel 38, Vers 18) steht über dem diesjährigen Ökumenischen Tag der Schöpfung. Sie macht unseren Blick weit – und führt uns zugleich unsere Grenzen vor Augen. In diesem Sommer bekommt sie besondere Aktualität. Im Hohen Venn brennen Wald- und Moorflächen, ausgetrocknete Böden erschweren die Löscharbeiten. Zugleich fehlt unseren Flüssen das Wasser. Hitze, Trockenheit, Feuer und Niedrigwasser zeigen, wie verletzlich die natürlichen Zusammenhänge sind, von denen auch unser Leben abhängt. Die Klimakrise ist da.
Die Frage Gottes an Hiob erinnert daran: So viel wir Menschen über unsere Erde wissen und erforschen können, wir haben sie nie ganz verstanden. Die Schöpfung bleibt größer als unser Erkennen und unsere Möglichkeiten. Das lässt staunen und macht demütig. Zugleich stellt es uns vor die Frage nach unserer Verantwortung.
Wir wissen, wie tief menschliches Handeln in die Kreisläufe der Erde eingreift. Was bedeutet es, die Welt nicht zuerst als Besitz und Ressource, sondern als Schöpfung Gottes wahrzunehmen?
Die Schöpfungszeit hat eine besondere Geschichte. Ihre Wurzeln liegen in der orthodoxen Tradition. 1989 rief der Ökumenische Patriarch Dimitrios I. dazu auf, den 1. September als Tag der Bewahrung der Schöpfung zu begehen.
2007 wurde bei der Europäischen Ökumenischen Versammlung in Sibiu empfohlen, die Zeit vom 1. September bis zum 4. Oktober gemeinsam als Schöpfungszeit zu feiern. Der 4. Oktober ist der Gedenktag des Franz von Assisi, dessen Verbundenheit mit der gesamten Schöpfung Christinnen und Christen bis heute inspiriert.
So verbindet die Schöpfungszeit orthodoxe und westliche Traditionen. Über konfessionelle Grenzen hinweg lädt sie ein, Gott als Schöpfer zu loben, für seine Schöpfung zu danken und danach zu fragen, wie wir bewahren können, was uns anvertraut ist.
Die Endenicher Ökumene lädt am Freitag, 25. September, um 17 Uhr zu einer Andacht in der Schöpfungszeit ein. Es folgen weitere Informationen auf einem Plakat, im Newsletter und auf dieser Webseite.
Pfrin. Charlotte Fischer
