Vereinsarbeit und Demokratie

Seit 2015 bin ich Jugendtrainer im Fußballverein Endenich. Im selben Jahr ereignete sich das, was man später „Flüchtlingskrise“ nannte. Vom Mangel an Integration war die Rede. Doch auf dem Platz erlebte ich Woche um Woche das Gegenteil: Kinder aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen spielten, lachten, kämpften miteinander um den Ball. Bald kamen geflüchtete Kinder dazu: Sie sprachen kein Wort Deutsch und taten sich in der Schule im fremden Umfeld schwer. Aber auf dem Platz waren sie erlöst, kickten wie alle. Ohne Worte ließen sich kleine Konflikte lösen. Es gelang spielend leicht, die neuen Mitspieler zu integrieren.

Fußball: Das bedeutet Emotion, manchmal auch Streit: Foul oder nicht, Handspiel oder nicht? Wir kennen das Theater aus dem Profifußball. Aber dort gibt es Schiedsrichter, die das letzte Wort haben – zumindest theoretisch. Im Kinderfußball gibt es die nicht. Und das ist gut so! Solange sich Trainer*innen und Eltern nicht einmischen, lösen Kinder ihre Meinungsverschiedenheiten schnell, finden Kompromisse, lernen nachzugeben.

Hauptsache das Spiel geht weiter!

Kinderfußball demonstriert, wie wichtig Kompromissfähigkeit und Toleranz sind, wie selbstverständlich Integration sein kann: Nicht auf Herkunft, sondern auf die Kopfballstärke kommt es an. Vielleicht lernen die Kinder im Verein Grundregeln der Demokratie. Vielleicht ist es aber auch umgekehrt: Eltern und Trainer*innen lernen von den Kindern: Toleranz, die Selbstverständlichkeit der Integration und die Fähigkeit, über den eigenen Schatten zu springen, andere Sichtweisen zu akzeptieren. Die Kinder leben es vor! Nächstenliebe und Toleranz sind ihnen angeboren.

Florian Hartmann