Dorle Gothe ist Mutter von drei erwachsenen Kindern, die allesamt unsere Trini-Kita besucht haben und in Trini konfirmiert wurden. Sie hat Ökologischen Landbau und Nachhaltige Regionalentwicklung studiert und ist Vorständin und Geschäftsführerin der Regionalwert AG Rheinland. Sie lebt mit ihrer Familie in Poppelsdorf. Mit Dorle Gothe sprach Lisa Inhoffen.
Was ist die Regionalwert AG Rheinland?
Dorle Gothe: Eine Bürgeraktiengesellschaft, die sich für eine besonders nachhaltige Land- und Ernährungswirtschaft einsetzt. Wir geben Aktien aus und können damit ökologische Projekte in der Region unterstützen, um Artenvielfalt und Bodenfruchtbarkeit zu erhalten, Tierwohl zu fördern, Klimaanpassung voranzutreiben, Ernährungssouveränität zu stärken. Etwa 1000 Bürger und Bürgerinnen haben sich schon beteiligt und insgesamt 3,5 Mio. Euro zur Verfügung gestellt. Wir konnten dadurch vier Bio-Gemüseanbaubetriebe fördern, solidarische Modelle, zwei Molkereien, eine Hofnachfolge, regionale Vermarktungswege, Hagelnetze im Obstbau.
Wie kann man sich außerdem beteiligen?
Gothe: Am besten durch den Kauf der Produkte unserer insgesamt 45 Partnerbetriebe. Für die Trini-Gemeinschaft ist es besonders einfach, denn ein Partner – die Solawi Kathriner Grünzeug – liefert ja einmal in der Woche in das Gemeindezentrum. Viele Partnerprodukte gibt es bei Deinet in Duisdorf, im Bioladen Momo in Beuel.
Sie vertreten die Interessen von ökologisch wirtschaftenden Landwirten in der Köln-Bonner Region. Was machen Sie dabei ganz konkret?
Gothe: Betriebe, die gründen oder erweitern wollen, müssen diese Investitionen vorfinanzieren und gehen ein hohes Risiko ein. Die Regionalwert AG stellt finanzielle Mittel als Beteiligung zur Verfügung, das heißt, der Betrieb gibt bei Gewinnen einen Anteil ab, bei Verlusten trägt die Gemeinschaft der Aktionärinnen das mit, wenn wenig Rückfluss da ist.
Ist der Klimawandel bei den Landwirten ein Thema?
Gothe: Ja, das ist ja nicht mehr zu übersehen, mal regnet es viel zu viel, dann wieder wochenlang gar nicht. Einige Biobe triebe haben ja schon in den 1980er Jahren (Haus Bollheim, Bioland Apfelbacher, Hüsgen, Leyenhof, Biohof Bursch, DLS Bäckerei, Momo, Himmel und Erde) die Prognosen des Club of Rome ernst genommen und damit begonnen, Humus aufzubauen, Hecken und Blühsträucher zu pflanzen, ohne klimaschädlichen synthetischen Stickstoff und ohne chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel zu arbeiten sowie regionales Wirtschaften gefördert. Jetzt erleben wir, dass Ernteprognosen immer unsicherer werden und sich das Klima stark verändert.
Wie gehen Sie und Ihre Mitstreiterinnen gegen diese Probleme vor?
Gothe: Wir versuchen, durch ein starkes regionales Netzwerk von Betrieben Synergien zu schaffen und regionales nachhaltiges Wirtschaften sichtbar zu machen und zu stärken. Billige Preise heute werden kommende Generation teuer bezahlen müssen. Wir machen gesellschaftliche Leistungen mit einem Nachhaltigkeitsbericht transparent und fördern solidarische Modelle und regionale Vermarktung nachhaltiger Produkte.
Was raten Sie den Verbrauchern?
Bewusst einzukaufen. Wir haben in Bonn tolle Betriebe und wirklich gute Einkaufsstätten mit einem breiten Angebot von regionalen Bioprodukten.
Essen Sie selbst noch Fleisch?
Ich esse Fleisch, versuche aber, den Verbrauch so gering wie möglich zu halten. Ich kaufe bei Betrieben ein, die ich gut kenne und wo ich weiß, dass Tierwohl ernst genommen wird. Mir ist es wichtig, Fleisch von Zweinutzungsrassen zu kaufen, damit keine männlichen Kälber oder Küken getötet werden, sondern auch aufgezogen werden. Viele wissen es nicht, aber die Kuh ist kein Klimakiller, wenn sie extensiv und viel auf der Weide gehalten wird. Die Kuhfladen beherbergen eine Menge Arten und bauen Humus auf. Und für Milchprodukte wie Käse, Quark und Joghurt müssen die Kühe regelmäßig Kälber bekommen. Ethisch gesehen ist die vegane Ernährung wohl am konsequentesten, doch sie kann auch klimaschädlich und ungesund sein, wenn sie aus industriell hergestellten Produkten mit vielen Zusatzstoffen besteht und viel verpackt und transportiert wird.
Dorle Gothe
Nähere Infos: www.regionalwert-rheinland.de
