Wie tritt das Göttliche in Erscheinung?

Liebe Leserinnen und Leser,

auch wenn theologisch betrachtet Ostern das höchste Fest im christlichen Kalender markiert, so dürfte doch die Zeit vom 1. Advent über Weihnachten bis zu Epiphanias für viele Christinnen und Christen die Aufmerksamkeit auf Fragen des Glaubens und die Beschäftigung mit der christlichen Botschaft in besonderer Weise richten. Gute Voraussetzungen also, um sich hier und heute einem „Phänomen“ zuzuwenden, das eine spezifische Form der Erkenntnis des Göttlichen bezeichnet: Die Epiphanie.

Sie gibt nicht nur dem Dreikönigs-Tag Epiphanias den Namen, sondern bezeichnet ganz allgemein das Sichtbarwerden, das „Erscheinen des Göttlichen“ in der Welt. Von der „Theophanie“ ist sie deshalb auch nur schwer zu unterscheiden. Immerhin, so scheint es, ist die Epiphanie begrifflich weniger augustinisch geprägt als das Wort Theophanie. Letzteres ist sehr abhängig vom Gedanken einer strikten Geschiedenheit von göttlicher und irdischer Sphäre, oder wie Augustinus sagte, Civitas Dei und Civitas terrena. Die Epiphanie hingegen, die im alten Griechisch auch einfach die Erscheinungsweise eines Körpers, seine sichtbare Gestalt meinte, ist stärker mit dem verbunden, was in der Welt ist. Sie bezeichnet nicht nur ein bestimmtes Erkenntnis-Objekt, das Göttliche, sondern auch eine bestimmte Erkenntnisform oder Erkenntnis-Situation.

Das klingt schwierig, aber wir haben in dieser Ausgabe trotzdem einmal den Versuch gemacht, dieser Form nachzugehen, und sind dabei auf Anregungen gestoßen, die wir gerne weitergeben wollen. Wir fragen nach der Epiphanie in Situationen plötzlicher Erkenntnisse, Geistesblitzen und Aha-Momenten, die einen Blick hinter die Oberfläche eröffnen, sich auf Sinn-Fragen richten, nicht auf ein Haben, sondern auf das Sein zielen. Und die dabei eine spezifisch Form der Wachsamkeit von uns fordern, wie wir sie gerade in dieser Zeit zu leisten imstande sind.

Ihre Gemeindebriefredaktion